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Horaz
Quintus Horatius Flaccus

(8.12.65 - 27.11.8 v. Chr.)
vermutetes Porträt des Horaz Das Ziel aller Bildung: Der Mensch in seiner bestmöglichen Gestalt, vollendete Menschlichkeit.

Den Griechen kommt es zu, diesen Gedanken als erste ausgesprochen zu haben, die Römer gaben ihm den Namen, der in der kultivierten Welt nie mehr unterging: humanitas - kostbarstes Vermächtnis des Römertums, überall dort, wo weltweit gedacht wurde und wird.

Cicero sah die humanitas in der harmonischen und ästhetischen Entfaltung der den Menschen auszeichnenden Gaben der Vernunft und des Gemütes, gepaart mit Milde und Weitherzigkeit, Harmonie der Persönlichkeit.

Alle geistigen Kräfte des Menschen sind gefordert im Kampf gegen Gedankenlosigkeit und faule Unentschlossenheit. Es geht um das ehrliche Ringen mit sich selbst, die Verbesserung eigener Fehler und Schwächen, die Verbindung von Mensch zu Mensch, das glückliche Leben. Und diesem redet Horaz mit seinem weitgerichteten, restlos kaum übersetzbaren Anruf das Wort: sapere aude - Wage es, weise zu sein!
 
Horaz' eigenes Leben verlief wechselhaft: Sohn eines Freigelassenen, Studium in Rom und Athen, Militärtribun im Heer der Cäsarmörder, Teilnahme an der Schlacht bei Philippi (42), Verlust des Vermögens.

Villa Adriana bei Tivoli Auf sein nun beginnendes literarisches Werk wurde Vergil aufmerksam. Aufnahme in den Kreis um Maecenas, das Landgut Sabinum als Geschenk. Kaiser Augustus umwarb Horaz, respektierte jedoch taktvoll den Wunsch, sein Leben abseits von der Unrast Roms frei und unabhängig zu leben. Trotzdem war Horaz kein Sonderling. Er pries die Freundschaft und hielt sie, liebte guten Wein und Geselligkeit und natürlich auch die Frauen.

Seine philosophischen Wurzeln hatte Horaz in allen Richtungen. Von der Stoa wie von Epikur beeinflußt sind seine Schriften frei von Doktrinen und Schulmeinungen. Er holte sich von allen Seiten das Beste und entfaltete voller Ironie und Humor einen urbanen, überlegenen Diskurs, immer treu seinem Prinzip der aurea mediocritas, der "Goldenen Mitte". Weniger interessiert an der aktuellen Politik seiner Zeit ist seine Dichtung von allgemein menschlichem Interesse. Nachfragen, das Selbstverständliche kritisch betrachten, Leben in Freiheit und Verantwortung.

So wird sein Leitsatz sapere aude bei Immanuel Kant zum Programm der Aufklärung: Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.Wage es, weise zu sein! besagt in unübertrefflicher Kürze, daß man sapiens, klug und weise, nur durch eigenes Handeln werden kann.

Und wie bei jedem anderen schweren Werk kommt es entscheidend auf den ersten Schritt an. Incipe - Wage den Anfang!